Jüdische Speisevorschriften
Man ist, was man isst
 
Qual der Wahl an der Wursttheke. Orthodoxe Juden müssen hier ganz besonders aufpassen Koscher – jeder hat das Wort wohl schon einmal gehört. So ist „Der ist nicht ganz koscher!“ eine häufige Floskel, wenn jemand nicht besonders vertrauenswürdig erscheint. Und irgendetwas hat es doch auch mit Schweinefleisch zu tun, oder? Doch „koscher“ bedeutet sehr viel mehr.


Kaschrut – Die jüdischen Speisegesetze

Man ist, was man isst: Nach dem jüdischen Glauben kann nur derjenige eine spirituelle Reinheit von Körper, Geist und Seele erreichen, der sich nach bestimmten Speisevorschriften – der Kaschrut – richtet. Der orthodoxe Jude befolgt die Speisegesetze nicht aus gesundheitlichen Aspekten oder weil ihm durch die Bibel eine direkte Begründung gegeben wird, sondern weil er sie als göttliche Gebote betrachtet. Dabei sind drei Basiselemente zu unterscheiden: die strikte Trennung von Fleisch und Milch, der Genuss von Blut und die Unterscheidung der Tiere nach reinen und unreinen Arten.

Koscher – mehr davon
Das Wort „koscher“ stammt vom hebräischen Wort „cascher“, was soviel heißt wie „gut“ oder „angemessen.“ In der heutigen Begriffsdefinition wird häufig das Wort „rein“ dafür gewählt. Allerdings dürfen auch die koscheren Produkte nicht nach Belieben zusammen verzehrt werden. Es muss streng zwischen milchigen und fleischigen Speisen getrennt werden. Ein mit Käse überbackener Lammauflauf ist also tabu.

Parve – her damit
Das Wort „parve“ steht für das jiddische Wort „neutral“. Alle Speisen, die weder milchig noch fleischig sind, dürfen als Beilage zu beiden Arten der koscheren Produkte gegessen werden. Dazu gehören beispielsweise Fische – nur solche mit Flossen und Schuppen – sowie alles, was in der Erde wächst, und Speisen, die nichttierischer Herkunft sind.

Trefe – weg damit
Speisen, die nach den jüdischen Speisegesetzten nicht erlaubt, also nicht koscher sind, werden als „trefe“, „zerrissen, zerfleischt“, bezeichnet. Im 2. Buch Mose (22, 30) heißt es: „Darum sollt ihr kein Fleisch von auf dem Felde zerrissenen Tieren essen.“ Um dieses Bibel-Zitat auf die Speisegesetze anzuwenden, werden alle Tiere, die auf derartige Weise getötet wurden, als „unrein“ bezeichnet.


Das Iss-Koscher-Rezept

Zutaten:
Man nehme eine beliebige Menge eines Tieres, das sowohl Paarhufer als auch Wiederkäuer ist. Wähle beispielsweise Lämmer und Rinder, aber lasse Schweine und Kaninchen aus der Pfanne. Eine gute Alternative: Geflügel. Damit das nach Belieben gewählte Fleisch wirklich koscher ist, kaufe man es bei einem Schächter, der das Fleisch vollkommen ausbluten lässt. Kaufe es nur, wenn ein unabhängiger Prüfer den Gesundheitszustand des Tieres kontrolliert hat. Wer möchte, kaufe als Alternative auch Fisch, allerdings muss dieser Flossen und Schuppen haben, so dass beispielsweise Aal, Muscheln und Krabben von der Zutatenliste gestrichen werden müssen. Feinschmecker aufgepasst: Kaviar ist tabu, ebenso wie Amphibien und Insekten. Füge als Beilagen neutrale Speisen wie Obst, Gemüse und Kartoffeln hinzu.

Zubereitung:
Gleich dreimal steht in der Thora: „Du sollst das Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter bereiten“. Daher trenne milchige und fleischige Speisen streng. Benutze weder dasselbe Geschirr oder Besteck noch dieselben Pfannen oder Töpfe. Habe alles Küchengerät in doppelter Ausführung und kennzeichne es mit unterschiedlichen Farben, Wörtern oder Symbole, damit es nicht zu Verwechslungen komme. Und beachte: Alles muss vor dem ersten Gebrauch gekaschert (koscher gemacht) werden. Erst nach dem Mikwe, dem rituellen Tauchbad, dürfen auf dem Geschirr koschere Speisen serviert werden.

Verzehr:
Esse nach einem milchhaltigen Gericht ruhig unmittelbar darauf ein Fleischgericht. Lasse aber umgekehrt zwischen dem Verzehr eines fleischhaltigen Gerichts und eines Milchgerichts mindestens sechs Stunden verstreichen.



Koscher-Glossar
Koscher-Inspektor

Monika Lembke/Stephanie Morcinek