Jüdischer Fußballclub
Davidstern, Halbmond und Kruzifix
 
Alain kickt zu Serkan, rennt um den Platz, johlt, als er ein Tor schießt. Ein ganz normales Fußballtraining bei einem ganz normalen Berliner Team – so sieht es auf den ersten Blick aus. Doch der TuS Makkabi ist etwas Besonderes: Der einzige jüdische Fußballverein in Berlin.

Get the Flash Player to see the Video.


Mittwoch, 18 Uhr, ein kalter Dezemberabend. Die Jungs der 1. Herrenmannschaft trainieren auf ihrem Platz in Charlottenburg. Da ist der 21-jährige Alain Haag, deutscher Jude, rechtes Mittelfeld. Neben ihm schnauft der 24-jährige Serkan Türkkal, türkischer Moslem, zentrales Mittelfeld.

Religiöser Fußballeintopf

Die unterschiedlichen Religionen spielen für die beiden keine Rolle. „Klar gab es am Anfang Leute, die gefragt haben, was ich als Moslem bei einem jüdischen Verein will. Mir ist das egal. Ich fühle mich hier wohl,“ sagt Serkan.

Bei Makkabi schwitzen, trainieren und feiern mittlerweile Moslems, Juden und Christen aus sieben verschiedenen Nationen zusammen. In der Mannschaft gibt es nur zwei Teamkollegen jüdischen Glaubens.

Im Trainingscamp wird trotzdem koscher gegessen. Trainer Claudio Offenberg, selbst Jude, legt Wert darauf. Außerdem ist ihm wichtig, dass die Spieler sich mit Grundregeln der Religion auskennen: „Die Spieler wissen, wann die hohen jüdischen Feiertage sind. Wir erklären ihnen ihre Bedeutung, wollen aber dabei hier niemanden missionieren. An diesen Tagen wird bei uns weder gespielt noch trainiert.“

Vorurteile haben die anderen

Trotz aller Offenheit werden die Jungs von Makkabi von gegnerischen Teams oft anders behandelt als Mannschaften, die keine Konfession im Namen tragen. Da fallen während des Spiels schon mal Beleidigungen wie „Judenschwein“. Manche Gegner denken, dass die Spieler bei Makkabi in dicken Autos vorfahren und steinreich sind. Das Team hat gelernt damit umzugehen, ruhig zu bleiben. Ihr Motto: „Respekt im Spiel“.

Das erfordert bei dem ein oder anderen Spieler ganz schön viel Disziplin. „Ich bin sehr empfindlich, wenn mich jemand wegen meines Glaubens beleidigt, aber ich muss mich zusammenreißen, weil ich sonst der Mannschaft schade. Ich melde das sofort dem Trainer. In der Vergangenheit haben wir uns zu oft Sachen gefallen lassen, jetzt gucken wir nicht mehr weg“, sagt Alain und lächelt dabei seelenruhig.

Israel als zweite Heimat

Schon sein Vater hat als junger Mann bei Makkabi gespielt. Das Judentum ist wichtig für ihn, zum Land Israel hat er eine besondere Beziehung. „Israel bedeutet mir viel. Mein Vater kommt daher, es ist mein Vaterland. Ich bin in Deutschland geboren, aber durch meine Adern fließt eben auch israelisches Blut“. Bei der Makkabiade, dem größten internationalen jüdischen Wettkampf, hat er schon für Makkabi Deutschland gespielt, darauf ist er stolz.

„Man kann in Deutschland mittlerweile sowohl Jude als auch Deutscher sein – gleichzeitig. Das ist kein Gegensatz“, sagt Trainer Claudio Offenberg. Eine typisch deutsche Weihnachtsfeier gibt es bei Makkabi aber nicht – dafür feiert das Team gemeinsam Chanukka.

Tina Epking/Daniel Peters